Die Zicke

Letztens im Supermarkt. Ich schiebe meinen Kinderwagen arglos durch die moderat gefüllten Gänge. Vor dem Milchregal treffe ich auf ein kleines, dünnes Mädchen. In den Händen hält sie eine große Dose Gummibärchen. Man könnte ja meinen, das sorge für gute Laune. Aber sie starrt mich mit einen zugleich entschlossenen, wütenden und trotzigen Gesichtsausdruck an. Ich lächle sie an und stelle ihr das Löwenkind vor, welches tiefenentspannt in seinem Kinderwagen lümmelt und sie beobachtet. Sie stapft auf uns zu und betrachtet ihn, verzieht dabei keine Miene. Sie ist vielleicht drei, höchstens vier Jahre alt. Mein Kind scheint sie nicht weiter zu interessieren, sie stampft zurück vor meinen Wagen und macht sich breit.

Ich denke mir meinen Teil und will an ihr vorbei steuern. Doch sie tritt zur Seite, versperrt mir den Weg, starrt mich weiterhin trotzig an. Ich bin verwirrt. Was will sie? Ich versuche wieder die andere Seite, sie stellt sich vor den Wagen. Als ich sie gerade fragen will, wie wir das Problem lösen können, brüllt ihre Oma nach ihr.

„ZICKE!“

Wie bitte?

„ZICKE! GEH AUS DEM WEG!“

Ich bin sprachlos. Die Oma stürmt an mir vorbei, zieht das Kind am Arm hinter sich her und schimpft auf sie ein. Ich stammle noch, dass doch nicht schlimm sei, aber ich bin nicht von Interesse.

Jetzt verstehe ich das Kind.

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