#yesallwomen

Gestern stieß ich auf Facebook über eine Freundin auf #YesAllWomen. Ich habe die letzte Woche kaum Nachrichten geschaut und auch wenig gelesen, weshalb ich erst relativ spät von dem Amoklauf und seine Folgen erfuhr.

Am Freitag, den 23. Mai, erschoss ein 22-jähriger im US-amerikanischen Isla Vista sechs Menschen (Quelle). Wie später bekannt wurde, veröffentlichte er zuvor verschiedene Youtube Videos und ein „Manifest“, das die New York Times in diesem Artikel verlinkt hat, in denen der Mörder von seinem extremen Hass auf Frauen spricht. So beschwerte er sich unter anderem darüber, dass Frauen zu hohe Ansprüche hätten und ihn, obwohl er ein „netter Typ“ sei, zu einem „unfreiwilligen Zölibat“ gezwungen hätten.

Im Internet schlug der Amoklauf hohe Wellen. Eine Twitteruserin, die ihren Account inzwischen zum Selbstschutz sperren musste, rief daraufhin den Hashtag #YesAllWomen in’s Leben. Dieser verbreitete sich rasant und wird inzwischen von Frauen aus aller Welt verwendet, um auf Angriffe, Beleidigungen und Einschränkungen, die sie nur aufgrund ihres Geschlechtes erfahren, aufmerksam zu machen. Mache sprechen von einem neuen #Aufschrei (wir erinnern uns).

Das Schlimmste ist, dass mich die Meisten nicht wirklich überraschen, da ich vieles aus meinem eigenen Alltag kenne. Wir Frauen schränken uns täglich ein, teils ohne es zu merken, nur um uns zu schützen und um gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Das fängt bereits in der Kindheit an. Ich kenne nicht eine Frau, die nicht schon einmal verbalen oder physischen Angriffen ausgesetzt war.

Es ist wichtig, dass wir uns mit diesen Zuständen auseinandersetzen, und verstehen, dass alle Frauen, weltweit, betroffen sind. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte gestern einen Artikel über die Steinigung einer Frau in Pakistan. Die Tatsache, dass die Kommentarfunktion für den Artikel gesperrt wurde, spricht Bände. Wir im „Westen“ zeigen ja gerne mit dem Finger auf andere Kulturen und prangern die Zustände an, die wir für unhaltbar halten. Aber gerade wenn es um Frauen in der Gesellschaft geht dürfen wir nicht vergessen, dass auch unsere Zustände noch lange nicht haltbar sind. Denn anscheinend gibt es immer noch Männer, die denken, sie hätten ein Recht auf Sex. Vermutlich herrscht in diesen Köpfen immer noch der Gedanke, dass Frauen weniger Wert und der Besitz des Mannes sind.

Aber lest selbst.

https://twitter.com/_wartooth/status/471747153778733056

Weiterlesen:

Tino Hahn wies bei Twitter auf eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung über die antifeministische Männerrechtsbewegung hin.

Die Mädchenmannschaft veröffentlichte einen sehr lesenswerten Artikel mit sehr interessanten, weiterführenden Links zum Amoklauf.

Kleinerdrei hat auch gebloggt. Oft geteilt und das zu Recht.

Weiterlesen bei Twitter:
#YesAllWomen / #Aufschrei / #NotAllMen / #YesALLWhiteWomen / #CisGaze / #YesAllPeople