Programmieren lernen mit Codecademy

Vor einiger Zeit kam ich auf die Idee, mich wieder verstärkt mit HTML und Co. zu beschäftigen. HTML und CSS sind keine Fremdwörter für mich. In meiner Schulzeit erstellte ich damit etliche Seiten und sogar einen Blog von Hand im Windows-Text Editor. Das ist nun schon über 10 Jahre her, und seitdem hat sich da natürlich einiges getan. Mit PHP hatte ich mich bis dato kaum beschäftigt, also wollte ich hier weitermachen! Nach Rücksprache mit meinem Bruder, von Beruf Software-Programmierer, entscheid ich mich, zunächst JavaScript anzugehen. Learning-by-doing sollte es sein, wie damals in den guten alten Zeiten!Continue Reading

Was’n hier los?

Und mal wieder war es längere Zeit still hier. Ich habe zwar weiter geschrieben, aber nichts veröffentlicht, da die Zeit einfach nicht ausreichte. Zum Teil liegt das an einer beruflichen Veränderung. Das führt dazu, dass ich weniger Zeit für mich habe, da das Kind in der Freizeit selbstverständlich immer vorgeht, aber es macht mir Spaß und ich bin sehr zufrieden damit, wie es jetzt ist.Continue Reading

Angebot oder Einmischung?

Mein persönlicher Aufreger der Woche kam von Apple und Facebook aus den USA. Beide Unternehmen haben sich überlegt, wie sie Ihren Frauenanteil steigern könnten und hatten einen (ihrer Meinung nach) genialen Einfall: Sie wollen ihren weiblichen Mitarbeitern das Einfrieren ihrer Eizellen bezahlen, damit sie in Ruhe Karriere machen und später, wenn es denn mal passen sollte, Familienpause machen können. Genaueres kann man unter anderem hier nachlesen.

Ich frage mich: Muss man seinen Mitarbeiterinnen wirklich suggerieren, dass späte Schwangerschaften ausdrücklich erwünscht sind, sogar so sehr, dass die Unternehmen sich diese bis zu 20.000 Dollar kosten lassen? Und wie lange muss man die Eizellen einfrieren, um gesponsort zu werden? Reicht ein Jahr oder sollten es mindestens fünf sein?

Es ist ja nicht gerade so, dass man mal eben nebenbei ein paar Eizellen einfriert. Die Patientinnen müssen sich regelmäßig Hormone spritzen, damit für die Entnahme genügend Eizellen heranreifen. Und die Erfolgschancen bei einer künstlichen Befruchtung sind nicht gerade der Brüller, im schlimmsten Fall entwickelt sich kein lebensfähiger Embryo. Hinzu kommt, dass Mutterschaft mit steigendem Alter nicht gerade einfacher wird. Die Risiken in der Schwangerschaft und bei der Geburt steigen, und auch die ersten Jahre verlangen dem Körper viel Kraft ab. Das fällt einer 20-Jährigen natürlich leichter als einer 40-Jährigen. Ganz abgesehen davon, dass späte Mütter in der Regel leider weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen dürfen als junge Mütter.

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen späte Mütter. Die Entscheidung, wann frau Mutter wird, ist eine höchst persönliche, in die ich mich niemals einmischen würde.

Aber das Angebot, den Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu bezahlen, finde ich problematisch. Sicherlich werden sich die Mitarbeiterinnen freuen, die aus gesundheitlichen Gründen sowieso auf diese Prozedur zurückgegriffen hätten. Oder die, die bisher noch nicht den richtigen Partner gefunden haben. Oder auch die, die wirklich erst ihre Schäfchen ins Trockene bringen wollen, bevor sie Kinder bekommen. Aber was ist mit denen, die ihre Kinder gerne heute Abend im Bett zeugen würden? Die nicht als streng überwachte Risikoschwangere enden wollen? Diese Frauen könnten sich unter Druck gesetzt fühlen: Wir bieten dir eine Alternative, wenn du sie aus sentimentalen Gründen nicht annimmst, bist du selber schuld.

Tatsächlich ist das doch das Hauptproblem an der Geschichte. Es entsteht der Eindruck, dass das Einfrieren der Eizellen eine gute Idee sei, die deshalb gefördert wird. Es klingt wie eine Aufforderung. Sollte man aber nicht lieber versuchen, die Rahmenbedingungen zu ändern, die übrigens auch Vätern zu Gute kämen? Flexible Kinderbetreuung im Haus, flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle usw.?

Natürlich gibt es ein Problem, das all diesen Überlegungen zugrunde liegt: Die gesellschaftliche Akzeptanz von arbeitenden Müttern. Wie auch in Deutschland tobt in den USA ein regelrechter Kampf zwischen den working moms und stay at home moms. Die einen müssen sich vorwerfen lassen, schlechte Mütter zu sein, die anderen gelten als faul. Es gibt dort weder Elternzeit noch Elterngeld und keinen gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuung, weshalb viele Mütter nach der Geburt einige Jahre zu Hause bleiben müssen. Wer spät Kinder bekommt hat also die Möglichkeit, ein finanzielles Polster aufzubauen, das es einem erlaubt, über den Mutterschutz hinaus zu Hause zu bleiben und sich dann eine Kinderbetreuung suchen zu können.

Fairerweise sollte man erwähnen, dass beide Konzerne sich auch um diese grundlegenden Probleme kümmern. Facebook zum Beispiel schreibt: „We offer paid parental leave, help with daycare and adoption fees and $4,000 “baby cash” for your new arrival.“ Das klingt doch nett. Aber solche Angebote sind bestimmt kein Akt purer Nächstenliebe. Die großen Internetkonzerne buhlen um die Besten der Besten, und versuchen sich mit allen Mitteln als begehrenswerten Arbeitgeber zu präsentieren.

Natürlich machen Facebook und Apple hier nur ein Angebot, welches aber leider den Zeitgeist widerspiegelt. Zudem mischen sie sich in einen höchst intimen Bereich ihrer Mitarbeiter ein. Emma Barnett hat dieses Problem sehr schön zusammengefasst:

Women and men must take the decision about when to have a child based on when it’s right for them – not when it suits the company they work for.

Weiterlesen:

Ein interessanter Artikel über das sogenannte social freezing.

Zwei kritische Kommentare habe ich hier und hier gelesen.

Hannah Wilhelm hingegen findet den Vorstoß gut und kann nichts Verwerfliches daran finden, genauso wie Teresa Brücker.

Happy Tanabata!

In den meisten Teilen Japans feiert man heute Tanabata (jap. 七夕), ein Volksfest, bei dem die Menschen ihre Wünsche für die Zukunft auf bunte Zettel (jap. tanzaku, 短冊) schreiben, und diese an Bambuszweige hängen. Das Fest entspringt einer alten Sage, die wahrscheinlich vor mehr als 2.000 Jahren von China nach Japan kam.

Es waren einmal eine Weberprinzessin namens Orihime  und ein Rinderhirte namens Hikoboshi. Orihimes Vater, der Himmelsgott, verheiratete die beiden miteinander. Sie waren sehr verliebt, und alberten den ganzen Tag miteinander herum, sodass sie ihre Arbeit vergaßen. Die Rinder wurden krank und der Himmelsgott bekam keine neuen Kleider mehr. Er wurde sehr wütend, und schließlich verbannte er Hikoboshi auf die andere Seite des Flusses Amanogawa. Nur an einem einzigen Tag im Jahr dürfen die beiden sich treffen: am siebten Tag des siebten Monats, den man Tanabata nennt.

Wörtlich bedeutet Tanabata „Siebter Abend“. Das Fest ist auch als Sternenfest bekannt. Laut Wikipedia treffen sich die beiden Sterne Wega und Altair an diesem Tag am Himmel, sind aber den Rest des Jahres durch die Milchstraße getrennt.

Sollte es an Tanabata regnen, wird der Fluss so groß, dass die beiden Liebenden ihn nicht überqueren können. Aus diesem Grund beten die Menschen nicht nur für sich selbst, sondern auch für gutes Wetter, damit Orihime und Hikoboshi sich treffen können.

Tanabata ist ein sehr buntes Fest, bei dem man Yukata trägt. Viele Städte veranstalten öffentliche Festivals, die mit der deutschen Kirmes zu vergleichen sind. Ich bin damals auf das Fest meiner Universität gegangen, natürlich stilecht in (geliehenem) Yukata. Es war eine waschechte Studentenveranstaltung, das Highlight war die Show des Barkeeper-Clubs, die auf einer Bühne ihre Fähigkeiten beim Showmixen zum Besten gaben.  Das folgende Bild fasst meine Tanabata-Erfahrung sehr gut zusammen:

Tanabata

Ein großartiges Motto! Ich bezweifle nur, dass den Textern bewusst war, was sie da schrieben. Leider regnete es an diesem Tanabata, was viele meiner Bekannten mit einem leicht enttäuschten Schulterzucken zur Kenntnis nahmen.

Tanabata ist eines meiner liebsten Matsuri (Feste). Die Sage ist bittersüß, und ich finde den Gedanken, dass eine ganze Nation diesen besonderen Tag feiert, sehr romantisch. Ich weiß schon, welche Geschichte ich dem Löwenkind heute Abend erzähle.

Weiterlesen:

Unbedingt bei Flickr nach „Tanabata“ oder „七夕“ suchen und staunen.

Hier kann man das traditionelle Tanabata-Lied Sasa no ha sarasara (dt. Die Bambusblätter rascheln) anhören und den Text auf japanisch und Englisch mitlesen.

Lafcadio Hearn (1905): The Romance of the Milky Way And Other Studies & Stories. Zu finden bei Project Gutenberg (auf Englisch).

Umgeschaut #1

Ein schöner Artikel zum Thema Inklusion an Schulen (via Dr. Mutti).

Herr Buddenbohm mal wieder mit einem herzallerliebsten Bericht über seine Kinder, diesmal im Urlaub. Das ist wie früher. Ich hatte am Strand auch immer nur Fastfisch.

Ein bisschen Mathematik: Es ist wahrscheinlicher, von Uruguays Nationalspieler Luis Suárez gebissen zu werden, als von einem Hai.

Etwas für’s Auge: Dancers among us von Jordan Matter zeigt atemberaubende Porträts von Tänzern. Wunderschöne Fotos (auch online), unbedingt anschauen!

Und noch mehr Tanz: Wer sagt eigentlich, dass Tänzer in Stilettos nicht männlich sein können? Ich finde sie unfassbar sexy!

#likeagirl (zum Beispiel auf Twitter) ansehen und drüber nachdenken.

Und nicht zuletzt das fantastische Projekt Stop telling women to smile von Tatyana Fazlalizadeh, die letztes Wochenende eine Ausstellung in Berlin hatte. Und wo wir gerade dabei sind: ihollaback.org klärt auf zum Thema street harassment und sammelt Geschichten von Mädchen und Frauen, die in der Öffentlichkeit belästigt wurden. Die Aktion gibt es bisher in Berlin, Chemnitz und Dresden.

Twitter Happen:

Komplimente

Es gibt Eltern, die sammeln Komplimente. Das geht einfacher, als man denkt. Man spreche einfach wildfremde Eltern an und lobe die Vorzüge deren Kindes. „Ihr Sohn ist ja schon groß für sein Alter.“ „Wow, der Kleine hat ja wunderschöne Augen! Zum Verlieben!“ Sowas hört man natürlich gerne. Und ich, so wohl erzogen wie ich bin, antworte dann natürlich auch mit einem Kompliment. Irgendetwas findet sich immer, und wenn man nicht so genau weiß, was man jetzt loben soll, sagt man einfach: „Ihre Kleine ist aber auch ein süßer Fratz!“ Und schon leuchten fremde Elternaugen, und im schlimmsten Fall ist man in einem belanglosen Smalltalk über Kleinkinder gefangen. Die natürlich alle furchtbar süß und anstrengend sind, und abends nicht einschlafen wollen.

Beliebt sind auch Sätze wie “Sagen Sie, ist Ihr Sohn eigentlich auch schon in der Trotzphase?” oder „Passiert es Ihnen auch, dass andere sagen, ihr Sohn sei zu dick?“ So dreist erschleichen sich manche Eltern ein Kompliment. Denn so wird erst etwas rumgejammert, und der ratlose Gesprächspartner antwortet etwas in der Art von „Ach was, Ihrer ist doch ein ganz schlankes Kind!“ Eine Frechheit, wie ich finde! Kostenlose Komplimente, das geht gar nicht.

Ich gebe zu, ich bin da auch nicht besser als Andere. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, jemals nach Komplimenten gefischt zu haben, aber ich würde auch nicht darauf schwören, es noch nie getan zu haben. Wir bekommen doch alle gerne Komplimente! Und wer mein Kind lobt, lobt auch selbstverständlich auch mich! Noch schöner ist nur, selber gelobt zu werden.

Das schönste Kompliment bekam ich im Januar in der Notaufnahme. Damals hatte mein Sohn mir beim Spielen mit seinem Schädel fast die Nase zertrümmert, und ich dachte ernsthaft, meine Nase sei gebrochen. Das war ein echtes Drama für mich! Ein Bekannter sagte mal zu mir, ich hätte die perfekte Nase! Wunderschön! Da ist man dann natürlich sehr stolz drauf und bildet sich auch ein wenig was drauf ein.

Als ich schließlich an der Reihe war, berichtete ich der HNO-Ärztin zunächst einmal vom Tathergang. Leider bekam ich nicht gerade viel Mitleid von ihr. Sie sagte, die meisten Nasenbrüche, die sie zu behandeln hätte, hätten Kleinkinder zu verantworten! Nur die wenigsten stammen von Prügeleien. Das hat mich irgendwie geschockt. Elternschaft ist saugefährlich. Echt wahr.

Die Ärztin jedenfalls erkundete meine Nase mit einem bizarren Nasenaufklappinstrument von innen, und fragte mich, ob ich diese in der Vergangenheit hätte richten lassen. Ich verneinte. Und sie sagte, sie müsse mir dann wirklich zu meiner von innen wunderschön gerade gewachsenen Nase gratulieren! Sowas kenne sie sonst nur von OP-Nasen! Boah, war ich stolz! Und ich muss sagen, noch nie habe ich ein so schönes Kompliment bekommen!

Die Nase war übrigens nicht gebrochen. Ich kam mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma davon, und reagiere bis heute panisch, sobald das Löwenkind sich mit dem Kopf voran in meinen Arm werfen will. Nicht, dass er mir doch noch meine Nase ruiniert.

Die Zicke

Letztens im Supermarkt. Ich schiebe meinen Kinderwagen arglos durch die moderat gefüllten Gänge. Vor dem Milchregal treffe ich auf ein kleines, dünnes Mädchen. In den Händen hält sie eine große Dose Gummibärchen. Man könnte ja meinen, das sorge für gute Laune. Aber sie starrt mich mit einen zugleich entschlossenen, wütenden und trotzigen Gesichtsausdruck an. Ich lächle sie an und stelle ihr das Löwenkind vor, welches tiefenentspannt in seinem Kinderwagen lümmelt und sie beobachtet. Sie stapft auf uns zu und betrachtet ihn, verzieht dabei keine Miene. Sie ist vielleicht drei, höchstens vier Jahre alt. Mein Kind scheint sie nicht weiter zu interessieren, sie stampft zurück vor meinen Wagen und macht sich breit.

Ich denke mir meinen Teil und will an ihr vorbei steuern. Doch sie tritt zur Seite, versperrt mir den Weg, starrt mich weiterhin trotzig an. Ich bin verwirrt. Was will sie? Ich versuche wieder die andere Seite, sie stellt sich vor den Wagen. Als ich sie gerade fragen will, wie wir das Problem lösen können, brüllt ihre Oma nach ihr.

„ZICKE!“

Wie bitte?

„ZICKE! GEH AUS DEM WEG!“

Ich bin sprachlos. Die Oma stürmt an mir vorbei, zieht das Kind am Arm hinter sich her und schimpft auf sie ein. Ich stammle noch, dass doch nicht schlimm sei, aber ich bin nicht von Interesse.

Jetzt verstehe ich das Kind.

Wir stauben dann mal den Feminismus ab

Jahrelang habe ich mich über die Feminist*innen beschwert. Mein Problem mit ihnen: Sie vergessen die Männer. Denen geht es in unserer Gesellschaft nämlich auch nicht supergut. Oft hatte ich den Eindruck, dass der Feminismus die Frauen immer stärker machen und am Besten die Männer hinter sich zurücklassen möchte. Und wer kümmert sich darum, dass auch mal Jungs weinen dürfen? Dass auch Jungs rosa Überraschungseier kaufen dürfen? Dass auch Jungs mit Haarrschmuck einkaufen gehen dürfen, ohne dass ihre Mütter dafür bedroht werden?

In der letzten Zeit musste ich jedoch einige Fehler in meinen alten Gedankengängen erkennen und zugeben, was mir ehrlich gesagt nicht gerade leicht fiel.

Im Studium besuchte ich eine Einführungsveranstaltung für Soziologie, in der jede Woche ein anderer Bereich vorgestellt wurde. Die Vorlesung über Gender Studies enttäuschte mich – wieder verlor man kein Wort über Männer. Warum heißt es dann Gender, wenn es nur um Frauen geht, fragte ich mich, und legte das Thema erst mal ad Akta. Interessant wurden die Gender Studies für mich wieder im Hauptstudium, als ich ein Seminar mit dem Thema „Gesundheit in Japan“ besuchte. Ich entschied mich für den Gesundheitsboom, auch kenkō buumu (jap. 健康ブ-ム), im Zusammenhang mit Frauenkörpern in Japan. Was ich da las, machte mich sauer. Ich will darauf jetzt nicht näher eingehen, da tun sich Abgründe auf, die ich gerne in einem separaten Beitrag erläutere, aber zusammengefasst kann man sagen: Je dünner, umso besser, denn je weniger Platz Frau in einem Raum einnimmt, umso besser. Und das gilt nicht nur für japanische Frauen, man schaue zum Beispiel nur mal hier oder hier.

Seitdem hat sich mein Weltbild geändert, man wird ja auch älter. Früher dachte ich, ich wäre schon sehr gleichberechtigt in dieser Gesellschaft, schließlich haben wir eine Bundeskanzlerin, und bei der Eheschließung kann auch der Nachname der Frau als Familienname gewählt werden. Das ist ja auch toll, aber ich bin weder Bundeskanzlerin, noch habe ich meinen Mädchennamen behalten (das Wort an sich ist übrigens auch so ein Ding, heißt das bei Männern dann Bubenname?), was ich allerdings gerne getan habe, aus gewissen „familienpolitischen“ Gründen. Und wenn ich mal so drüber nachdenke, fallen mir einige Begebenheiten in meinem Leben ein, die erahnen lassen, dass wir Frauen immer noch mit Vorurteilen und Ungleichbehandlung zu kämpfen haben:

  • Mit etwa fünf Jahren durfte ich nicht mit Pfeil und Bogen meines besten Freundes spielen, „weil ich ein Mädchen sei“. Ich habe die Freundschaft beendet. Ha! Und jetzt soll mir keiner mit dem Argument kommen, dass Kinder eben so sind. Der Junge hat gerne mit mir gespielt. Er muss irgendwo gelernt haben, dass Mädchen bestimmte Dinge nicht dürfen, weil sie Mädchen sind.
  • Als 18-Jährige entdeckte ich das Fechten für mich. Wer sich nicht auskennt: Man unterscheidet zwischen Florett- und Säbelfechten. Mein Ziel war es, eines Tages Säbel zu fechten, ich fand es cool und es versprach auch mehr Action. Mein Trainer erklärte mir allerdings, dass Frauen nicht Säbelfechten dürfen. Da könne er nichts machen, das sei eben so. Und somit beendete ich dann (leider) auch meine Fechtkarriere.
  • In einer Vertiefungsübung in der Uni (Diashow mit Reisfeldern! Und Reisfeldern! Und noch mehr Reisfeldern! Yay!) wagte ich es, mit einer Freundin zu tuscheln. Daraufhin beugten sich zwei junge Männer hinter uns nach vorne und einer sagte: „Ihr Frauen solltet froh sein, dass ihr heutzutage überhaupt in die Universität gehen dürft, also haltet lieber den Mund.“ Ich weiß leider nicht mehr, was ich antwortete. Es war aber laut, das Wort Titten kam darin vor, und ich brachte den Spinner zum Schweigen. Ebenso übrigens den Professor, der meine Antwort auf jeden Fall gehört hatte, es aber vorzog, nichts dazu zu sagen und weiter im Text machte. An einer Bitte, die Klappe zu halten, ist nichts auszusetzen, das habe ich auch schon tun müssen. Aber das hat nichts mit meinem Geschlecht zu tun!
  • Eine ähnliche Situation erlebte ich bei einem Blockseminar zum Thema Innenpolitik in Japan, ich hatte irgendwie das Thema „Frauen in der Politik“ erhalten. Ein Typ neben mir (der Name ist der Autorin bekannt) erzählte mir nach meinem Vortrag, als ich wieder auf meinem Platz saß, allen Ernstes, dass Frauen sich lieber aus der Politik raus halten sollten, da sie sich sowieso nicht gegen Männer durchsetzen könnten. Diese Person hat sich nach meiner Antwort nie wieder getraut, mit mir zu sprechen.
  • In Japan beobachteten eine Freundin und ich an einem Bahnhof im Großraum Tōkyō, wie ein Oberschüler seine Freundin beschimpfte und ihr immer wieder mit der flachen Hand gegen den Kopf schlug. Niemand schritt ein. Keiner hat auch nur hingesehen. Wir rannten auf die beiden zu, schrien den Kerl auf Japanisch und Deutsch an und das Mädchen konnte wegrennen. Er wollte ihr folgen, und wir konnten ihn nur noch kurz festhalten, bevor er wirklich davon kam und hinter ihr her rannte. Wahrscheinlich haben wir der Armen damit keinen Gefallen getan, unser Plan war es ursprünglich, die Polizei zu holen. Aber die ist in Japan nicht gerade zuverlässig, wenn es darum geht, Frauen vor Männern zu schützen. Die Sache ging irgendwie in die Hose, und das tut mir heute so unendlich leid.

Ich könnte noch so einige Erlebnisse in die Liste aufnehmen. Wenn ich dann noch anfinge, aufzuschreiben, was mir andere Frauen unterschiedlichen Alters so berichtet haben, würde die Liste sicherlich einige Meter lang. Und die Punkte in meiner Liste sind im Vergleich dazu wirklich harmlos. Fakt ist aber, dass alle Frauen, die ich kenne, Diskriminierung, Ungleich- oder Sonderbehandlung aufgrund ihres Geschlechtes erfahren haben, und deshalb frage ich mich:

Wie kann man als Frau keine Feministin sein?

Wie kann man nicht Gleichbehandlung fordern wollen? Wie kann man die Achseln zucken, wenn der Kollege trotz gleicher Qualifikation 20% mehr verdient? Wie kann man nicht dafür eintreten wollen, die gleichen Karrierechancen wie Männer haben zu wollen?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass auch für die Rechte der Männer gekämpft werden muss. Allerdings weiß ich heute, dass das eine andere Baustelle ist. Es ist wohl kaum möglich, beides in einem Zug zu erreichen. (Wer es besser weiß, hinterlasse bitte einen Kommentar. Ich lerne gerne dazu!) Ich habe mich bisher nur auszugsweise mit feministischen Theorien beschäftigt, aber vielleicht sollte ich so langsam mal damit anfangen. Damit ich auch mitreden kann. Und dann widme ich mich den Jungs.

Nachdenken:

#YesAllWomen / Pille danach / Project Unbreakable / Hebammen / Gender Pay Gap

Weiterlesen:

Katja berichtet auf futblog.at über ihre Zeit als Antifeministin.

Das Nuf ist jetzt wohl auch Feministin.

Julia Korbik (2014): Stand up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene. Berlin: Rogner & Bernhard. ISBN: 978-3954030446 . Ganz frisch erschienen, Rezensionen findet man zum Beispiel hier oder hier.

Und weil man auch bei ernsten Themen mal lachen darf: Hier und hier gibt es Tipps, was man beim Thema Bikini Body beachten sollte.